Donnerstag, 03. April 2025
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Rattenbekämpfung: Füttern ist verboten!

Wanderratte - Rattus norvegicus

Zur Bekämpfung der übermäßigen Rattenpopulation in Marzahn-Hellersdorf hat das Bezirksamt eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Auslegen von Futter und Lebensmitteln für Ratten ab sofort untersagt.

Das Verbot gilt in Marzahn-Hellersdorf im gesamten Bezirksgebiet und insbesondere für öffentliche Straßen, Plätze, Grünanlagen, Spielplätze, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Vögel und Haustiere können weiterhin gefüttert werden, solange ein Herankommen von Ratten an die Futterstelle bzw. an das Futter unmöglich ist (zum Beispiel durch spezielle Futterhäuser). An mehreren Plätzen im Bezirk werden mehrere Kilo Taubenfutter ausgelegt und damit auch unweigerlich Ratten gefüttert, was sich enorm auf die Rattenpopulation auswirkt.

Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit reagiert

Gordon Lemm, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit erklärte: „Bei der Taubenfütterung ist es sehr wichtig darauf zu achten, dass Ratten nicht ungewollt mit gefüttert werden. Ratten können Krankheitserreger auf den Menschen übertragen, deshalb muss die unkontrollierte Ausbreitung der Nagetiere im öffentlichen Raum eingedämmt werden. In anderen Berliner Bezirken mussten wegen einer Rattenplage sogar Spielplätze gesperrt werden. Mit einem Verbot der Rattenfütterung sollen solche Maßnahmen in Marzahn-Hellersdorf verhindert werden. Wenn jemand Tauben füttern möchte, bitte ich diejenigen, sich bei Tierschutzvereinen oder Taubenverbänden zu informieren.“

Nichteinhaltung der Vorgaben kann ebenfalls zu einem Bußgeld, je nach Art des Verstoßes und Fütterungsort, führen. Rechtsverbindliche Details sind der Allgemeinverfügung, die im Amtsblatt von Berlin (PDF 2,3MB) veröffentlicht wurde, zu entnehmen.

Ratten folgen dem Menschen seit dem Mittelalter

Ratten sind Allesfresser, nicht nur mit Speck, Käse, Kartoffeln, Fleisch lassen sie sich anlocken – auch Nahrungsreste und Nahrungsmittelabfälle werden von Ratten verwertet. Eiweißhaltige Reste locken Ratten mit ihrem Geruch magisch an. Auch die Abwasserkanäle der Stadt sind voller verwertbarer Reste, weil Restaurants und Küchen ihre Spülwässer und Nahrungsreste in den Ausguss ableiten.

Inzwischen ist die Lebensweise der Ratten gut erforscht: Wanderratten sind Allesfresser, wobei pflanzliche Nahrung meist weit überwiegt. In den Mägen untersuchter deutscher Wanderratten fanden sich zu 39 % nur verschiedene Getreidesorten. Weitere 34 % hatten nur frische Pflanzenteile wie Früchte, Gemüse und Gräser gefressen. In 11 % der Mägen befanden sich sowohl pflanzliche wie tierische Bestandteile, in 10 % ausschließlich Fleisch oder Fisch. Bei Fallenversuchen wurden kohlehydratreiche Köder wie Haferflocken gegenüber Ködern aus Gemüse, Fleisch oder Fisch deutlich bevorzugt.

Allesfresser mit Kletterfähigkeiten

Ratten nutzen ein breites Spektrum weiterer pflanzlicher und tierischer Nahrungsquellen. Sie erklettern Bäume, um im Frühjahr Knospen und junge Triebe und im Spätsommer Obst und Walnüsse zu fressen. Die Ernährung erfolgt auch carnivor und räuberisch, Wanderratten fressen unter anderem Vogeleier, junge und geschwächte Vögel, junge und erwachsene Wühlmäuse, Amphibien und auch Mollusken.
Ökologisch haben Ratten daher auch nutzbringende Aufräum-Funktionen, weil sie noch vor Aasfressern, Schimmel und Fäulnisbakterien verwertbare Nahrung vertilgen. Der Rattenkot aber ist problematisch und infektiös – und so sind Ratten als Krankheitsübertrager zu Recht gefürchtet.

Grünflächen als Rattenparadies?

Mit der naturnahen und extensiven Grünflächenpflege in öffentlichen Parkanlagen ging eine Reduzierung der Zahl der Gärtner einher. Heute wird Artenschutz groß geschrieben, vielfach bleiben Gräser und Wildkräuter stehen. Sie bieten nach der Blütezeit und Samenausbildung eine endlos nachwachsende Rohstoffquelle für Ratten. Grillabfälle und Lebensmittelreste aus überfüllten Papierkörben sorgen zusätzlich für eine eiweißhaltige Rattenkost.
Öffentliche Sparsamkeit verhindert oft auch die zeitnahe Leerung der Abfallbehälter – und schafft damit ein Dauer-Ärgernis in Berlin.
Der organisatorische Engpass: eine sparsame Politik lässt am Wochenende die Abfallberge wachsen. Wenn Gärtner montags im Park anrücken, ist der Müll oft großflächg verteilt, Wind verfrachtet leichte Papierreste, und Krähen holen bisweilen sogar ganze Plastikbeutel aus den Papierkörben – und erbeuten Grill- und Nahrungsmittelreste samt Papptellern. Das lockt natürlich auch Ratten an!

Zu diesem Thema wird sicher noch eine weitere Abstimmung zwischen Gesundheitsstadtrat Gordon Lemm und der Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic erforderlich, die als Bezirksstadträtin für Wirtschaftsförderung, Straßen, Grünflächen, Umwelt- und Naturschutz, Personal und Finanzen nicht nur ihre Zuständigkeit sondern auch das nötige Geld aktivieren muss.